Unser jüngster Sohn Philipp ist vom frühkindlichen Autismus betroffen. Körperlich hat er keine Beschwerden, obschon er noch zusätzlich das Phelan Mc Dermid Syndrom hat. Das ist ein Genfehler auf dem 22 Chromosom. Es war eine Spontanmutation, wir Eltern tragen die Deletion nicht in uns.
Wodurch der Autismus entstanden ist, lässt sich mit der heutigen Forschung nicht feststellen. Man geht von einem Gendefekt aus und anscheinend gibt es auch eine erbliche Komponente. Ich kenne jedenfalls mehrere Familien, welche mit 2 oder sogar mehreren Kindern betroffen sind. Welches Gen oder welche Gene Autismus verursachen, ist noch nicht bekannt. Autisten haben aber meist auch eine sehr schlechte, mangelhafte Verdauung und so wird auch eine Stoffwechselstörung nicht ausgeschlossen.
Erwiesen ist, dass Autisten andere Hirnregionen aktivieren, um Eindrücke zu verarbeiten. Auch die Verknüpfung zwischen den Hirnregionen läuft anders, so wurde festgestellt, dass manche Autisten Gesichter im Bereich der Gegenstände abspeichern.
Genug der Theorie, ich möchte hier unsern Philipp vorstellen
Als fünftes Kind kam er im Oktober 2001 problemlos auf die Welt und war ein zufriedenes Baby.
Alle wollten sich um ihn kümmern:-) Das mochte er! Noch heute ist er gerne mittendrin und vermisst sofort seine Geschwister. Auffällig war aber sein extremes Gehör. Ruhig war es ja bei uns wirklich nie und er erwachte als Baby immer sofort, wenn auch nur etwas Lärm war. Er schlief grottenschlecht. Ich stillte ihn alle zwei Stunden, Tag und Nacht, nachts manchmal auch öfters.. Er trank nie lange, immer nur wenig und dauernd kam wieder Milch hervor. Ganz schlimm wurde dies, als er robbend durchs Haus rutschte. Gutsch und darübergerobbt...Kind andauernd schmutzig...Später stellte sich dann ein Reflux heraus, welcher mit Medikamenten behandelt wurde. Seit er gehen kann, hat die "Gütschlerei" deutlich nachgelassen.
Ausserdem hatte er schon als Baby keine Gefahrenerkennung. Was damals nicht so sehr auffiel, weil ja wir Grossen dafür sorgten, dass ihm nichts passiert. So schnellte er mehrmals täglich mit dem Kopf nach hinten, auf dem Wickeltisch, auf dem Arm, im Hochstuhl, auf dem Boden....aber immer fröhlich und nie geweint, wenn er aufschlug.
Als 1jähriger hat er mal eine Schachtel Reiszwecken erwischt und alle in den Mund gesteckt *oooohh* Bis ich die wieder draussen hatte!
So richtig Auffällig wurde seine Behinderung erst, als er nicht sprechen wollte. Auch mit 3 sagte er noch fast nichts, nur "Tschüss" das konnte er und manchmal einzelne Wörter für 1 einziges Mal und dann nie wieder!
Die Logopädin klärte ihn ab und empfahl dringendst eine Therapie. Aber die Therapie schien nichts zu fruchten. Er verlor die Wörter immer wieder, Fortschritte waren nur mimimal. Ausserdem wurde das Sozialverhalten immer schwieriger. Fremde Kinder schubste er regelmässig so fest, dass diese hinfielen!
Er hatte immer noch keine Gefahrenerkennung und seine Werke tagsüber hielten uns andauernd auf Trab. Offenen Fenster gingen schon gar nicht mehr, alles aber auch wirklich alles schmiss er hinaus. Und wer mag schon immer seinen Haushalt auf der Strasse auffischen? Schränke mussten zwingend abgeschlossen werden, die Küche wurde durch ein Gitter abgesperrt, x-Mal kippte er die ganze Flasche Salatöl in den Flaschenauszug und schaute fasziniert den Tropfen nach, die unten rauströpfelten! Oder er erwischte einen Kübel Dispersion und verzierte damit die Haustüre von aussen.
Ganz schwierig und aufwändig für uns war sein Weglaufen.(heute weniger schlimm, aber immer noch möglich) Wehe, wenn die Haustüre nicht abgeschlossen war! Schupss und ein Kind fehlte, in Socken auf Wanderschaft, gebadet im Teich eines Parkes, am Fluss bei den Enten etc! Jedesmal ein Herzstillstand für mich! Zuviele Gefahren lauern draussen auf ihn, Autos sind das nur zum Teil. Er kann auch nicht mit Tieren umgehen, zieht Hunden an den Schwänzen, tritt gegen Enten und kneifft den Esel in den Hals.
Unser Leben glich einem Spiessrutenlauf! Keine Sekunde durfte er ohne Aufsicht sein. Einzig in seinem Zimmer passierte ihm nichts Schlimmeres. Da gabs nur manchmal Pfützen und Kotschmierereien. (auch heute noch möglich, sind so Phasen..)
...alles wurde immer genaustens untersucht...immer wieder, bis ich so viel wie möglich wegschloss
Frühlkindlicher Autismus wurde dann problemlos diangostiziert, da war er schon 4 Jahre alt.

Am Meer in den ersten Ferien, feierte er seinen 4. Geburstag. Kerzen scheinen ihn nicht zu brennen *oh*
Typisch für ihn: eine Handlung kopieren, aber dann doch nicht so ganz ;-)
Immer von oben bin unten "paniert" Sand im Mund, kein Problem!
Er konnte unmöglich in einen Regelkindergarten eingeschult werden und deshalb besucht er seit August 06 die
Heilpädagogische Schule
Das Schultaxi holt in jeden Tag ab und bringt ihn auch wieder zurück. Autofahren macht ihm meistens Spass:-)